Nachtrag: Wie benennt man einen Bach?

Bist Du einmal über einen Bach gefahren oder gelaufen, und hast Dich gefragt, wie der Bach heisst? In Neuseeland trägt nicht nur jeder Fluss einen Namen, sondern auch jeder Bach. Selbst im abgelegensten Flecken werden die Gewässer nicht vergessen und immer weist ein kleines Schild den Namen aus.

Die Namen sind vielfältig, phantasievoll und abwechselnd in Englischer Sprache oder in der Sprache der Maori verfasst.

Manche Namen beschreiben die Form, die Länge, die Lage oder das Aussehens des Bachs, z. B. „Dark Creek“ (dunkler Bach). Manchmal beschreiben sie das Gewerbe, das am Bach angesiedelt war (Sägemühlenbach) und manchmal den Ziel- oder den Quellort. Vielleicht weisen einige Namen auch auf die Familie hin, durch deren Land der Bach fliesst. Oder auf seinen Entdecker? Und bei manchen Namen würde ich zu gern wissen, was im Kopf seines Benenners vorgegangen ist 😉  

Wenn ich auf dem Fahrrad sitze, habe ich oft Zeit, über alles mögliche nachzudenken. Vor allem über Dinge, die mir am Strassenrand oder in der Landschaft auffallen. Und die Namensschilder der Bäche haben auf lustige Weise dazu angeregt, mich einmal mit Bachnamen zu befassen. Und Dich jetzt vielleicht auch?

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Zum Frisör in einem fremden Land

Ich sitze in einem Café im Flughafen von Christchurch und warte, dass der Check-In-Schalter öffnet. Die Zeit wird für einen letzten Flat White genutzt 😉

Heute morgen war ich tatsächlich noch beim Frisör in Christchurch. Das ist im Lauf der Jahre eine Tradition von mir geworden: auf Radtour ein Mal zum Frisör gehen. Spricht man die Sprache des jeweiligen Landes, wird das eine sehr interessante und unterhaltsame Angelegenheit. Spricht man die Sprache nicht, wird es auch sehr interessant und zusätzlich eine Herausforderung, verständlich zu machen, was mit den Haaren geschehen soll. Ein bisschen Mut und Gelassenheit hinsichtlich der eigenen Haare sollte man vorsichtshalber auch mitbringen. (Der Frisörbesuch in Osaka , Japan, war einer der originellsten: Beim Haarewaschen liegt man auf dem Rücken. Am Ende waren die Haare tadellos hergerichtet mit einem leichten, japanischen Look, also völlig geglättet und exakter Haarschnitt). 

In Christchurch hat ein junger Mann aus Wales, Oz, meine Haare getönt, gewaschen und geschnitten. Seit 3 Jahren arbeitet er in Neuseeland, vor allem als Frisör, aber gelegentlich auch als Gabelstaplerfahrer und Erntehelfer. Manchmal wohnt er in speziellen „Working Hostels“. Dort hat man nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern bekommt auch Jobs vermittelt. 

Bald fliegt Oz nach vielen Jahren wieder in seine Heimat Wales zurück, um Trauzeuge bei der Hochzeit eines Freundes zu sein. Danach geht es über Thailand (ein paar Wochen Ferien machen) nach Australien. Dort wird er sich den nächsten Job suchen. Vermutlich in Darwin. 

„Es ist besser, erst in Neuseeland zu arbeiten und dann nach Australien zu wechseln,“ erklärt Oz. „Die Löhne sind in Australien höher und es ist einfacher, Arbeit zu finden.“ Grinsend ergänzt er: „Also erst den harten Weg gehen.“

Ich bewundere und beneide Oz. Nicht nur um seine Erfahrungen, sondern auch, dass er einen Job gelernt hat, der es ihm ermöglicht, fast überall auf der Welt Geld zu verdienen. 

In Südtirol habe ich mich vor Jahren einmal mit einer Busfahrerin unterhalten, die möchte, dass ihr Sohn nach der Schule zuerst eine Lehre als Koch absolviert. „Damit wird er immer und überall auf der Welt schnell eine Anstellung erhalten, wenn er einmal herumreisen und im Ausland arbeiten möchte,“ erklärte sie. Das hat was. Manchmal wünsche ich mir, auch ein Handwerk gelernt zu haben. Oder vielleicht biete ich Yoga auf Campingplätzen an? Was würdest du tun, um im Ausland Geld zu verdienen?

Georgina und Lawrence haben mir einen Segensspruch mit auf den Weg gegeben. Auch wenn ich Atheistin bin, rührt und freut es mich immer, wenn Menschen den guten Segen ihrer Religion bzw. ihres Glaubens für meine Reisen aussprechen. Georgina hat den Spruch und die dekorativen Muster selbst auf Stoff gestickt.  

Christchurch

Christchurch

Am Nachmittag radelte ich gemächlich von Amberley zum Start- und Endpunkt meiner Reise zurück, nach Christchurch. Dabei meidete ich die stark befahrenen Strassen so gut es ging. Gute Strassenkarten sind hier besonders wertvoll. 

Der letzte Radeltag ist immer mit etwas Traurigkeit erfüllt. Am liebsten würde ich doch immer weiterfahren, immer weiter.

Laurence und Georgina, meine aufmerksamen Gastleute, haben sich sehr gefreut, dass ich gesund und munter zurückgekommen bin. In ihrer Garage haben sie netterweise den Transportkarton für das Fahrrad aufbewahrt und mir darüber hinaus viel Hilfe angeboten (Shuttle buchen für Radtransport zum Flughafen, etc.).

Mit dem Bus habe ich einen kurzen Ausflug ins Zentrum von Christchurch unternommen. Deutlich sind noch die Spuren der beiden Erdbeben von 2010 und 2011 zu erkennen. Das zentrale Gebäude des Stadtkerns, die Kathedrale, liegt noch in Trümmern. Viele neue Gebäude sind entstanden und viele Baustellen zeigen, dass der Aufbau weitergeht.

Neuseeland macht mir den Abschied schwer. Während ich diese Zeilen schreibe, sehe ich durch das Fenster den klaren Abendhimmel, der weitere, schöne Sommertage verspricht. Es war mein fünfter Besuch in diesem Land auf der Rückseite der Erde. Und es war bestimmt nicht mein letzter. Eigentlich kann ich mich freuen, dass ich wiederkommen werde. 

Und in der Schweiz warten auch schöne Tage auf mich: für meine Schneeschuhtouren haben sich schon viele SAC-Mitglieder angemeldet. Das sind doch tolle Aussichten!

Blick aus meinem Gästezimmer zum Abendhimmel über Christchurch
Peinlich: es hat einige Neuseelandbesuche gebraucht, bis ich wusste, wer die „All Blacks“ sind
Idyllisches Fleckchen mitten in Christchurch
Erdbeben: Kathedrale in Trümmern
Mit dem Bierfahrrad durch Christchurch: gemeinsam treten, gemeinsam trinken
Der Brexit bewegt auch Neuseeland. Grossbritannien und die EU sind wichtige Handelspartner für Lamm- und Rindfleisch

Noch mehr faszinierende Gesteinsformen

Über den Lewis Pass auf die Sonnenseite der Südinsel

In Punakaiki erstrecken sich an einem kurzen Küstenabschnitt faszinierende Felsformationen: die Pancake Rocks. Dünne Kalksteinschichten sind gleichmässig zu Pfannenkuchen-Haufen übereinandergestapelt. Ein versteinertes Schlaraffenland sozusagen 😉 Die Pancake Rocks geben der Wissenschaft bis heute Rätsel über ihre genaue Entstehung auf. 

Reefton ist eine gemütliche Kleinstadt und war die erste Stadt der südlichen Hemisphäre mit öffentlichem, elektrischen Licht. Reefton bezeichnet sich daher selbst als „City of Lights“.

Weite Flusslandschaften und wunderschöne Licht-und-Wolken-Bilder am Himmel überraschen immer wieder.

Die lange Strecke von Reefton über den Lewis Pass führt mich zurück auf die östliche Seite der Südinsel. Sommerwetter mit blauem Himmel und rund 30 Grad begrüssen mich. Nicht nur den Regenwald habe ich an der Westküste zurückgelassen, sondern auch das wechselhafte Wetter und die Sandfliegen!

Kaffeepause in Culverden (Ostseite der Südinsel)
Weinanbau auf der Ostseite der Südinsel

Zufällig habe ich dieses Denkmal am Strassenrand entdeckt

Reefton im Abendlicht

Von Grau zu Abendrot

Von Grau zu Abendrot

Der heutige Tag war grau. Eine undurchdringliche Wolkendecke hing tief über dem Meer und dem Land und dämpfte das Licht des gesamten Tages. Diese Wetterstimmung passte jedoch hervorragend zur wilden Küste. Ein blauer Himmel hätte diese besondere Stimmung nur verdorben. 

In diesem Grau warteten aber auch schöne und lustige Momente auf mich. Allein schon der Name der Stadt, die ich ansteuerte: Greymouth. 

Ein Strassenschild bat um Vorsicht für Pinguine! (So ein Schild hatte ich noch nie gesehen). Und an einer Grundstückswand waren Toilettenschüsseln aufgereiht. Kunstwerk? Werbung?

Ich sah einen Felsen mit Loch. Und einen Felsen im Meer, der einem Zen-Garten glich. Der Horizont war ein Bild des Künstlers Mark Rothko.

Als ich abends einen kurzen Spaziergang am Strand unternahm, verschwand das Grau allmählich und eine wunderschöne Abendsonne erschien.

Noch eine „Puzzling World“

Noch eine „Puzzling World“

Nicht weit vom Küstenstädtchen Hokitika entfernt, betritt man eine Welt, die einem zum Staunen bringt: die Welt der Baumkronen. Auf einer Länge von rund 1.2km und 20 bis 30 Meter über der Erde ziehen sich Spazierwege durch die Wipfel des Regenwalds.

Die eisernen Stege schwanken leicht, so weit oberhalb des Waldbodens, und ich brauche einen Moment, um mich daran zu gewöhnen. Doch dann ist der luftige Gang ein wunderbares Erlebnis. Die Aussicht über das Dach des Waldes ist genauso faszinierend, wie der Blick hinunter zum Waldboden, wo dichte Blätter und Farnwedel wuchern. Wie unglaublich hoch manche Bäume wachsen, wird mir bewusst, als mein Blick einzelnen Stämmen folgt, die sich tief nach unten ziehen. So gross manche Baumriesen auch sind, ihre Stämme sind erstaunlich dünn und wiegen sich im kräftigen Wind.

Hokitika

Hokitika

Achterbahn-Strassen nenne ich Strassen, die schnurgerade verlaufen, stark abfallen und dann wieder steil ansteigen. Solche Strassen tauchen immer wieder auf und sind aufregend zum Fahren. Wie weit schiebt mich der Schwung auf der anderen Seite wieder hoch? Muss ich noch viel in die Pedale treten?

Unterwegs treffe ich auf ein ganz besonders uriges Café im Regenwald. Dem Bushman’s Centre. Vor dem Haus hängt ein gigantisches Modell einer Sandfliege und drinnen fühle ich mich 100 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Kuriose Deko-Elemente geben dem Café das gewisse Etwas (Stichwort „Difficult Customer“, siehe Foto unten 😉 Bei der Kaffeezubereitung wird man auch beteiligt.

Die Städtchen Ross und Hokitika verdanken ihre kurze, aber schwungvolle Blütezeit dem Goldrausch, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Westküste der Südinsel erfasste. Das Leben als Goldschürfer war hart, entbehrungsreich und wurde selten mit Reichtum belohnt. Heute ist Hokitika ein quirliges Städtchen, das vor allem für sein jährliches Wildfoods-Festival weithin bekannt ist. Gegessen wird so ziemlich alles, was die Natur hergibt, inklusive gegrillter Maden und Insekten.

Hokitika liegt direkt am Meer, der Tasmansee. Das Wetter ist heute ein Gemisch aus Sonne und Wolken und die Wellen bieten ein grandioses Spektakel. Sie branden nicht an den Strand, nein, sie donnern heran mit einer unbändigen Kraft. 

Die Spirale eines jungen Farnblatts (grosses Zeichen links) und das gedrehte Unendlichkeitszeichen (Mitte unten) sind wichtige Symbole in der Maori-Kunst

Typisch: eine lange, breite Hauptstrasse mit Tankstelle und Laden als „Zentrum“

Gewöhnlich sieht man die scheuen Vögel Neuseelands nicht. Dieser ist daran interessiert, wie ein Zelt trocknet

Achterbahn-Strasse